Neue G-BA-Vorgaben für die Notfallstufen erfordern nachhaltige Qualifizierungsstrategien für Pflegekräfte
Zum Internationalen Tag der Pflege betont der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) die besondere Bedeutung von Pflegefachkräften als zentrale Säule einer menschlichen, qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung im Krankenhaus. Zugleich macht der Verband auf drohende Versorgungslücken in der stationären Notaufnahme aufmerksam, die mit der geplanten Neuregelung der Notfallstufen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) einhergehen: Zum 1. Januar 2028 sollen deutlich höhere Mindestvorgaben für Pflegekräfte mit Fachweiterbildung im Bereich Notfallpflege eingeführt werden. Unberücksichtigt bleibt bislang jedoch, wie der damit verbundene erhöhte Qualifizierungsbedarf von Pflegekräften gedeckt werden kann. Der DEKV fordert deshalb eine bundesweite Qualifizierungsstrategie, um dem drohenden Fachkräftemangel in der Notfallversorgung rechtzeitig entgegenzuwirken und eine verlässliche Notfallversorgung lückenlos und dauerhaft zu sichern.
„Pflegende leisten täglich einen unverzichtbaren Beitrag für eine qualitativ hochwertige, sichere und menschliche Versorgung der Patientinnen und Patienten in unseren Krankenhäusern“, so Christoph Radbruch, Vorsitzender des DEKV. „Den heutigen Tag möchte ich zum Anlass nehmen, allen Pflegekräften in den evangelischen Krankenhäusern im Namen des DEKV für ihren unermüdlichen, hochprofessionellen Einsatz unter immer anspruchsvolleren Rahmenbedingungen zu danken“, so Radbruch weiter.
Welche Schlüsselrolle qualifizierte Pflegefachkräfte für die Patientensicherheit und Versorgungsqualität haben, macht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) deutlich, indem er in seinen Richtlinien zunehmend spezialisierte Pflegekräfte mit umfangreichen Fachweiterbildungen voraussetzt. So sehen die im November 2025 aktualisierten G-BA-Regelungen zu einem gestuften System von Notfallstrukturen in Krankenhäusern ab dem 1. Januar 2028 deutlich höhere Mindestvorgaben für Pflegekräfte mit Fachweiterbildung im Bereich Notfallpflege vor. Schon für die Basisstufe wird die derzeitige Anforderung beispielsweise von einer Vollkraft auf zwei verdoppelt.
Die Fachweiterbildung der Notfallpflege ist aber der Flaschenhals – organisatorisch und finanziell. Sie dauert berufsbegleitend zwei Jahre und umfasst umfangreiche Theorie- und Praxiseinsätze. Die Kosten für Qualifizierung und Lohn für Pflegekräfte in der Notaufnahme sind nicht Bestandteil des Pflegebudgets.
„Klar ist: Versorgungsqualität ist uns wichtig. Da Qualität und Sicherheit aber durch starre Personalvorgaben erreicht werden sollen, drohen die neuen G-BA-Personalvorgaben jedoch, das Gegenteil zu bewirken“, stellt Radbruch fest. Ohne eine systemische Qualifizierungsstrategie kollidieren formale Vorgaben mit den Herausforderungen der Klinikpraxis bei der Gewinnung hochspezialisierten Pflegefachpersonals. „Um das in Einklang zu bringen – und eine lückenlose Notfallversorgung zu sichern –, braucht es eine bundesweite Qualifizierungsstrategie, eine verlässliche Refinanzierung von Weiterbildung und realistische Übergangszeiträume“, sagt Radbruch.