Qualität hat ihren Preis: DEKV warnt vor Sparpolitik ohne Strukturreformen

Mit dem Zwischenbericht der FinanzKommission zur Stabilisierung der GKV-Finanzen dürfte sich die gesundheitspolitische Debatte kurzfristig deutlich in Richtung Einsparungen verschieben. Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) erkennt den bestehenden Handlungsdruck ausdrücklich an. „Die Stabilisierung der GKV-Finanzen ist gesamtwirtschaftlich notwendig. Entscheidend ist jedoch, wie Einsparungen umgesetzt werden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Christoph Radbruch.
Zugleich kündigt der Verband an, die vorgelegten Einzelvorschläge daraufhin zu prüfen, welche konkreten Auswirkungen sie für die Versorgung vor Ort haben. „Entscheidend ist nicht die rechnerische Wirkung auf dem Papier, sondern die praktische Umsetzbarkeit in den Krankenhäusern“, so Radbruch.

Pauschale Kürzungen gefährden Versorgung und Qualität

Kritisch bewertet der DEKV pauschale Kürzungsvorgaben. „Die Politik fordert Einsparungen, schafft aber nicht die Voraussetzungen dafür. Wenn dem System Mittel entzogen werden, müssen Krankenhäuser auch die Möglichkeit haben, ihre Kosten tatsächlich zu senken“, erklärt Radbruch.
„Unter den bestehenden Regulierungen ist das nicht möglich. Ohne mehr Flexibilität drohen Einsparziele ins Leere zu laufen. Die Folge ist ein Strukturwandel durch Insolvenzen statt durch gezielte Steuerung“, warnt er.
Die vorgeschlagene globale Begrenzung der Vergütung, die Rücknahme der vollen Refinanzierung der Pflege und die weiteren Vorschläge für den stationären Bereich würden für das Jahr 2027 nach Angaben der Kommission ein Einsparvolumen von 8,8 Milliarden Euro ergeben. Dies würde rechnerisch rund 18.600 Euro pro Krankenhausbett und etwa 500 Euro pro Behandlungsfall bedeuten. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sind solche Einschnitte aus Sicht des Verbandes nicht realisierbar.
„Krankenhäuser haben ihre Einsparmöglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Der überwiegende Teil der Kosten entfällt auf Personal, Energie und unverzichtbare Infrastruktur und damit genau auf die Bereiche, die sich kurzfristig kaum reduzieren lassen, ohne die Versorgung zu gefährden“, so Radbruch.

Qualität hat ihren Preis

„Qualität hat ihren Preis. Dieser Zusammenhang muss auch in der aktuellen Debatte gelten“, so Radbruch. Wenn die Erlöse pro Behandlungsfall sinken, müssen Krankenhäuser ihre Kostenstrukturen anpassen können.
Dazu gehört mehr Flexibilität in der Personal- und Leistungsplanung, um auf veränderte Erlösbedingungen reagieren zu können. Werden Qualitätsanforderungen vorgegeben, ohne ihre Finanzierung sicherzustellen, entsteht ein Zielkonflikt mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken bis hin zu Insolvenzen.

Regulierungsabbau statt weiterer Detailsteuerung

Als zentrale Voraussetzung für Einsparungen fordert der Verband einen konsequenten Regulierungsabbau. Krankenhäuser benötigen vor allem mehr operative Handlungsspielräume, um vor Ort tragfähige Lösungen entwickeln zu können.
Dazu gehören weniger Dokumentations-, Prüf- und Nachweispflichten sowie mehr Flexibilität in der Organisation von Personal und Leistungen.

Nachhaltige Stabilisierung nur durch echte Transformation

Langfristig kann die Finanzstabilität der GKV nach Einschätzung des DEKV nur durch strukturelle Veränderungen erreicht werden, etwa durch den Abbau von Kapazitäten, mehr Ambulantisierung und sektorenübergreifende Versorgung.
Kurzfristig ist jedoch zu erwarten, dass politische Entscheidungen vor allem auf schnell wirksame Einsparungen zielen. Umso wichtiger ist es, die Risiken klar zu benennen: Pauschale Kürzungen ohne begleitende Strukturentwicklung erhöhen die Gefahr eines ungeordneten Strukturwandels mit negativen Folgen für Träger, Beschäftigte und Versorgung.

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